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Frittennotstand, Bahnkarma und die Lehre vom Loslassen

 

Eine spirituelle Feldstudie zwischen Deutschland, Indien und dem Ende der Pommes. Indische Philosophie im ICE-Bordbistro. 

Von Joachim Nusch, Souvereign Vedic Mentor

Manchmal verdichtet sich der Geist einer Epoche nicht in großen politischen Reden, nicht in Wirtschaftsgipfeln und auch nicht in den Sternenkonstellationen eines seltenen Himmelsereignisses. Manchmal offenbart sich der Zustand einer Zivilisation in einer viel profaneren Frage:

Wo sind die Pommes geblieben?

Der 23. Juni 2026 könnte eines Tages als historischer Wendepunkt in die Kulturgeschichte eingehen. Nicht wegen geopolitischer Umwälzungen. Nicht wegen technologischer Revolutionen. Sondern weil an diesem Tag gleich zwei Grundpfeiler der modernen Zivilisation ins Wanken gerieten:

Die Fritte verschwand.

Und die Bahn stand still.

Wer die Zeichen der Zeit lesen kann, erkennt sofort: Das Universum hatte etwas mitzuteilen.


Stellen wir uns die Szene vor.

Du sitzt im ICE. Also theoretisch. Praktisch sitzt du auf einem Bahnsteig und betrachtest eine Anzeigetafel, die inzwischen eher an ein modernes Kunstwerk erinnert als an ein Verkehrsinformationssystem.

„Zug fällt aus.“

„Verspätung unbekannt.“

„Bitte beachten Sie die Lautsprecherdurchsage.“

Die Lautsprecherdurchsage wiederum klingt wie eine Mischung aus kosmischem Rauschen und einem tibetischen Mantra für Geduld.

Früher gab es in solchen Momenten wenigstens Trost.

Man ging ins Bordbistro.

Man bestellte Currywurst mit Pommes.

Man akzeptierte sein Schicksal.

Doch nun ist selbst diese letzte Bastion gefallen.

Keine Pommes.

Keine Fritte.

Keine goldgelbe Kartoffelerleuchtung.

Der deutsche Bahnreisende steht damit vor einer existenziellen Frage, die bisher nur Mystiker, Yogis und Steuerberater kannten:

Was bleibt, wenn das wegfällt, woran ich mich festhalte?


Während in Deutschland die Fritte verschwindet, sitzt zur gleichen Zeit irgendwo in Indien ein Reisender in einem Restaurant. Auch mir ist es so in Goa im März ergangen.

Auch dort gibt es Probleme.

Das Gas ist ausgegangen. Keine Lieferung. Ärger im Mittleren Osten, Hormuz ist zu.

Das Tandoori bleibt kalt.

Der Koch hebt die Schultern.

Der Kellner lächelt.

Das Leben geht weiter.

Der Deutsche hingegen eröffnet innerlich bereits einen Untersuchungsausschuss. Was hat das mit dem Klima zu tun?

In Indien sagt man:

„Heute gibt es eben etwas anderes.“

In Deutschland sagt man:

„Wer ist dafür verantwortlich?“ Brüssel!

Diese beiden Sätze erklären vermutlich den Unterschied zwischen östlicher und westlicher Philosophie besser als manche Universitätsvorlesung.


Als Beobachter des Zeitgeistes könnte man meinen, die Welt sei in eine neue Phase eingetreten.

Früher hatten wir Lieferketten.

Heute haben wir Überraschungsketten.

Früher planten wir die Zukunft.

Heute beobachten wir sie mit derselben Spannung, mit der man auf eine verspätete Bahn wartet.

Die moderne Gesellschaft gleicht zunehmend einem riesigen Meditationsretreat, das niemand gebucht hat.

Du lernst Geduld.

Du lernst Akzeptanz.

Du lernst Loslassen.

Und manchmal lernst du das alles gleichzeitig auf Gleis 7.


Der indische Weise würde vielleicht sagen:

„Die Fritte kommt und geht. Das Bewusstsein bleibt.“

Oder in Mainier alter Vedanta-Meister in Köln würde man dort sagen:

"Et kütt wie et kütt"!

Der normale deutsche Fahrgast antwortet:

„Das mag sein, aber ich habe trotzdem Hunger.“

Beide haben recht.

Genau darin liegt die Schönheit der Sache.

Denn Spiritualität beginnt nicht erst im Himalaya.

Sie beginnt oft dort, wo unsere Erwartungen mit der Wirklichkeit kollidieren.

Am Bahnhof.

Im Stau.

In der Warteschlange.

Oder vor einer Speisekarte, auf der plötzlich die Pommes fehlen.


Die alten Vedanta-Meister hätten vermutlich ihre Freude an diesem Schauspiel.

Sie würden uns daran erinnern, dass alles Vergängliche dem Wandel unterliegt.

Der Fahrplan.

Die Currywurst.

Die politische Stimmung.

Der Aktienmarkt.

Die Lieblings-App.

Und gelegentlich sogar die Fritte.

Nur das Ego hält unbeirrt dagegen und ruft:

„Das kann doch nicht wahr sein!“

Doch genau dort beginnt die eigentliche Lehre.

Der Schmerz entsteht selten durch den Verlust der Pommes.

Er entsteht durch die Vorstellung, dass sie hätten bleiben müssen.


Der Trendforscher erkennt darin ein kulturelles Phänomen.

Der Philosoph erkennt eine anthropologische Konstante.

Der Yogi erkennt ein Klesha.

Der Astrologe erkennt einen Transit.

Und der Bahnreisende erkennt vor allem eines:

Er wird heute wohl hungrig nach Hause kommen.


Vielleicht war der 23. Juni 2026 deshalb gar kein Tag des Scheiterns.

Vielleicht war er ein großer kollektiver Workshop in Sachen Bewusstsein. Der alte Patanjali Yogalehrer grüßt aus der Ewigkeit und dem kosmischen Yogastudio.

Die Bahn zeigte uns die Vergänglichkeit.

Die Fritte zeigte uns die Anhaftung.

Und das Universum zeigte uns einmal mehr seinen eigentümlichen Humor.

Denn während wir glauben, die Welt mit Algorithmen, Verordnungen, Prognosen und Masterplänen kontrollieren zu können, genügt manchmal eine ausgefallene Zugverbindung und eine fehlende Portion Pommes, um uns daran zu erinnern:

Das Leben fährt nach seinem eigenen Fahrplan.

Und der hängt selten am Bahnsteig.

In diesem Sinne:

Möge dein Zug kommen.

Möge dein WLAN funktionieren.

Möge dein Bordbistro geöffnet sein.

Und wenn nicht –

mögest du wenigstens darüber lachen können.

Namaste

Hör die auch den Podcast an.



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